Rotmilanprojekt 2016 ENL 006

Hier investieren Europa und der Freistaat Thüringen in die ländlichen Gebiete.

Der Rotmilan ist fast ausschließlich in Europa beheimatet. Der Weltbestand wird derzeit auf ca. 20.000 bis 25.000 Brutpaare geschätzt (AEBISCHER 2009), wobei der Bestandstrend der Art negativ ist. Über die Hälfte (ca. 60%) der Rotmilanpopulation ist in Deutschland zu finden. Demnach besitzt Deutschland eine besondere Verantwortung für die Art. In Deutschland wird der Rotmilanbestand auf ca. 10.000 bis 12.500 Brutpaare geschätzt (MAMMEN 2009).

Der Rotmilan ist ein typischer Offenlandvogel, der sich vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit hoher Heterogenität aufhält. Durch die stätig intensiver werdende landwirtschaftliche Nutzung gehen der Art langfristig lebensnotwendige Grundlagen verloren. Neben dem mangelnden Nahrungsangebot ist der Verlust an Brutbäumen ein großes Problem für den Arterhalt des Vogels.

Um die Tiere als Charakterart im Betreuungsgebiet des Landschaftspflegeverbandes Südharz/ Kyffhäuser e.V. weiterhin zu erhalten, hat der Verband ein Schutzprogramm initiiert. In diesem soll eine persönliche und individuelle Beratung der Landwirtschaftsbetriebe zu biodiversitätsfördernden Maßnahmen in der Kulturlandschaft im Sinne des Rotmilanschutzes durchgeführt werden. Ziel der Gespräche ist eine schnelle Umsetzung von Rotmilan- fördernden Maßnahmen in die landwirtschaftliche Praxis. Aber auch ein Einwirken auf die Gestaltung zukünftiger Förderprogramme ist mit dem Wissen aus dem Projekt vorgesehen, um langfristig nutzbare Regularien für den Rotmilanschutz zu haben.

Beispielsweise ermöglicht der Anbau von mehrjährigen Feldfutterpflanzen oder die Anlage von temporären Brachen einen besseren Jagderfolg des Greifvogels in der Brutzeit und während der Aufzucht der Jungvögel. Auch die Extensivierung von landwirtschaftlichen Flächen und die Anlage von Blüh- und Ackerrandstreifen werten das Nahrungshabitat der Rotmilane erheblich auf.

Grundsätzlich wird von der bedrohten Vogelart eine vielfältig strukturierte Landschaft mit einem reichen Angebot an Nahrungsflächen bevorzugt.

Weiterhin werden im Rahmen des Projektes die aktuellen Brutbäume erfasst und bei Bedarf Nachpflanzungen vorbereitet. Dadurch soll den Greifern auch in Zukunft die Region Nordthüringen als Brutgebiet erhalten werden.

Bild: junge Rotmilane im Horst (Bildrechte: H. Buchholz)