Erhalt und Sicherung von Nistplatzstrukturen und Verbesserung des Nahrungshabitats für den Rotmilan 2021 ENL 0026

Das Verbreitungsgebiet des Rotmilans (Milvus milvus) beschränkt sich ausschließlich auf Europa, wobei in Deutschland mehr als die Hälfte aller Brutpaare vorkommen. Die Art gilt als Charaktervogel für Nordthüringen und profitiert vom Strukturreichtum der Region. Für Thüringen liefern die letzten genaueren Bestandserfassungen des Vereins Thüringer Ornithologen e.V. aus den Jahren 2010/2011 eine Zahl von 950 ± 50 Brutpaaren (Pfeiffer 2011). Der Rotmilan unterliegt besonderen Schutzbestimmungen, denn er wird im Anhang 1 der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgelistet. Zudem wird er in der „Roten Liste der Brutvögel (Aves) Thüringens“ (Stand 2021) als „gefährdet“ eingestuft. Der Freistaat Thüringen hat aus diesem Grund eine hohe Verantwortung zum Schutz des Rotmilans. Dem Erhalt der Reproduktions- und Nahrungshabitate muss dabei eine besondere Bedeutung beigemessen werden, da hierauf das Vorkommen der Art in Thüringen begründet wird. Mit der Umsetzung des ENL-Projektes wird dieses Anliegen umgesetzt.

Die durch Ackerflächen geprägten Helme-, Wipper- und Unstrut-Niederungen sind überregional bedeutsame Schwerpunktvorkommen der Art in Thüringen. Seit den 1990er Jahren ist ein signifikanter Rückgang der Brutnachweise in dem Gebiet zu verzeichnen. Ursachen sind neben der Intensivierung der Landwirtschaft auch die Gefährdung durch den zunehmenden Straßenverkehr und Windkraftanlagen. Weiterhin ist der Verlust an geeigneten Nistplatzstrukturen eine Gefährdungsursache für die Art. Überdurchschnittlich oft dienen Hybridpappeln (Populus x canadensis), die in den 60er bis 80er Jahren in den Auen und Ackerfluren gepflanzt wurden, als Nistplätze. Diese sind heute aufgrund der Überalterung der Bäume gefährdet und werden zudem zur Wahrung der Verkehrssicherheit zunehmend aus den Fluren entfernt.

Im Rahmen eines ersten Rotmilan-Schutzprojektes 2016 ENL 0006 wurden die Horstbäume der Landkreise Nordhausen und Kyffhäuser im Jahr 2017 erfasst. Hier arbeitete der Landschaftspflegeverband eng mit dem Verein Nordhäuser Ornithologen e.V. zusammen. Es konnten 130 Horstbäume flächengenau nachgewiesen werden. Zum Schutz der Nester vor Prädatoren wie Waschbär und Marder wurden an einzelnen Horstbäumen Schutzfolien angebracht. Auf der Grundlage der Kartierungsergebnisse des ersten Projektes werden die Maßnahmen des aktuellen ENL-Projekts geplant. Es lief im Oktober 2021 an und wird voraussichtlich im März 2023 enden.

Foto: Junge Rotmilane im Horst (© H. Buchholz)

Um den Rückgang der Rotmilan-Population in Nordthüringen aufzuhalten und die Reproduktions- und Nahrungshabitate zu sichern, sollen folgende Maßnahmen umgesetzt werden:

Bei Interesse an dem Projekt, der angebotenen landwirtschaftlichen Beratung oder der Möglichkeit Flächen für die Baumpflanzungen bereitzustellen wenden Sie sich gern an die zuständige Mitarbeiterin.

Kontakt:   Eileen Wiesenberger 
Tel.           03631 4966478
Mail          wiesenberger@lpv-shkyf.de