Feldhamsterland

Vor wenigen Jahrzehnten noch als Schädling verrufen und gejagt, sind Feldhamster mittlerweile selten geworden. In Deutschland sind die Tiere vom Aussterben bedroht. Nicht nur Landwirten, auf deren Bewirtschaftung der Feldhamstern angewiesen ist, sondern auch der breiten Bevölkerung ist dieser Zustand oftmals nicht bekannt.

Hier setzt ein bundesweites, im Rahmen Bundesprogramms Biologische Vielfalt des Bundesamts für Naturschutz (BfN) gefördertes Schutzprojekt an, das nicht nur Feldhamsterschutzmaßnahmen umsetzen soll, sondern auch in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die bedrohten Tiere schaffen soll. Im Projekt haben sich Kooperationspartner der Bundesländer, die noch Feldhamster-Vorkommen aufweisen, zusammengeschlossen. Projektkoordinator ist die Deutsche Wildtierstiftung, die Umsetzung des Thüringer Teilprojekts erfolgt durch den Landschaftspflegeverband Mittelthüringen e.V. in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser e.V. und der Stiftung Lebensraum Thüringen e.V. Das Projekt läuft von 2018 bis 2023.

Im Thüringer Teil ist vorgesehen, den Aufbau eines ehrenamtlichen Feldhamsternetzwerks zu fördern. Sowohl aus diesem Netzwerk, als auch durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit werden ehrenamtliche „Feldhamster-Freunde“ gewonnen, die unter professioneller Anleitung auf ausgewählten Flächen der Feldhamster-Schwerpunktgebiete Feldhamsterbaue kartieren und damit die Wissensgrundlage über das Vorkommen der Nager deutlich verbessern. Hierbei soll es sich durchaus auch um Personen aus dem landwirtschaftlichen Umfeld handeln, die dann direkt Feldhamster auf ihren Flächen kartieren können und so deren Begeisterung für „ihre“ Tiere geweckt wird.

Die Erkenntnisse aus diesen Kartierungen werden genutzt, um gezielt auf den Flächen mit Feldhamster-Vorkommen Schutzmaßnahmen umzusetzen. Hierfür findet eine einzelbetriebliche Beratung der betroffenen Betriebe durch Projektmitarbeiter statt, bei der verschiedene Feldhamsterschutzmaßnahmen vorgestellt werden. Die Maßnahmen werden aus Projektmitteln gefördert und (wenn vom Betrieb gewünscht) öffentlichkeitswirksam angelegt. Potentielle Maßnahmen sind etwa eine längere Stoppelbrache, gegebenenfalls mit dem Stehenlassen von Getreidestreifen bei der Ernte oder das Teilen von großen Schlägen, wenn gewünscht auch kombiniert mit der Anlage von Blühstreifen.

Zusätzlich zu diesen projektinternen Maßnahmen werden auch Gemeinden und Betriebe grundsätzlich zum Thema Feldhamsterschutz sowie möglichen Maßnahmen des Artenhilfsprogramms beraten. Für im Feldhamsterschutz aktive Betriebe wird eine Plakette „Feldhamsterfreundlicher Betrieb“ konzipiert. Durch diese und durch Beschilderung an Maßnahmenflächen sowie Öffentlichkeitsveranstaltungen wird das Bewusstsein für den Feldhamster in der breiten Öffentlichkeit gestreut.

Das Projekt verbindet auf innovative Art und Weise Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit mit dem Anlegen von schnellen Soforthilfe-Maßnahmen und bietet damit die Aussicht, dauerhaft und auf großer Fläche einen weiteren Rückgang der bedrohten Feldhamster zu verhindern.